Donnerstag, 16. August 2012

Steigt Griechenland eben aus dem Euro aus - so what?

Der griechische Staat kollabiert recht langsam, jeden Tag ein bisschen. Wird man in einigen Jahren zurückblicken, so wird man kein Datum eines "Zusammenbruchs" festlegen können, sondern man wird feststellen, dass Griechenland einfach von Monat zu Monat ein Stück mehr dahingesiecht ist und erst nach dem Austritt aus der Eurozone wieder zu Kräften gekommen ist.

Und so möge Griechenland, der gescheiterte Staat, eben aus der Eurozone ausscheiden. So what? Von den reinen Wirtschaftsdaten her ist der griechische Währungs- und Wirtschaftsraum weniger bedeutsam, als wenn Bayern plötzlich seine eigene Währung aufmachen und aus dem Euro austreten würde. Interessant ist hauptsächlich, dass, wenn das Land zur Drachme zurückkehrt, es konsequenterweise auch die Rückzahlung seiner Schulden einstellen muss. Denn angesichts des sich dann aller Voraussicht nach einstellenden Wechselkurses würde es den Griechen unmöglich sein, auch nur annähernd die Zinsen ihrer Schulden zu bedienen. Denn die Schulden notieren in Euro - und um einen Euro zurückzuzahlen, werden die Griechen 10, 20 oder auch 50 Drachmen zahlen dürfen. Daraus ergibt sich mit fast zwingender Konsequenz, dass der griechische Staat die Bedienung seiner Schulden einstellen muss - er kann es sich schlicht nicht leisten.

Die Folge wird sein, das Griechenland zwar erstmal schuldenfrei ist, dies aber auf Kosten seiner zumeist ausländischen Gläubiger, die wiederum vorrangig in Europa sitzen. Die werden fürs erste nicht besonders gut auf Griechenland zu sprechen sein - aber damit kann man aus griechischer Sicht und mit etwas zeitlicher Perspektive durchaus leben, denn Politiker und Bankmanager wechseln und auch Zorn vergeht - denn letztlich geht es halt doch nur um Geld, das in irgendwelchen Bankbilanzen steht und heute, Mitte 2012, schon weitgehend abgeschrieben ist. Schwerer wird es für die Griechen dann jedoch, nur mit den eigenen Einnahmen für den griechischen Staatshaushalt auszukommen, denn das werden sie müssen. Auf Jahre hinaus wird kein ausländischer Kapitalgeber griechische Staatsanleihen kaufen und es niemand nach Griechenland Kredite vergeben. Das heißt, dass der griechische Staat vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten sein wird und all seine Ausgaben mit eigenen Einnahmen bestreiten muss. Vom inländischen Kapitalmarkt ist indes nur wenig zu erwarten. Anders betrachtet kann man feststellen: es wird ein Haushalt sein, der zwingend ohne Neuverschuldung auskommen muss. Das wird wehtun, lebt der griechische Staat - wie so viele andere Länder auch - doch schon seit Jahrzehnten zu einem guten Teil von Krediten.

Es wird also die Rückkehr zur Drachme sein, die den Griechen den Zwang zum sparsamen Haushalten in einem viel stärkeren Maße auferlegen wird, als es die Troika tut und tun kann. Denn momentan bekommt Griechenland immerhin noch Kredite aus dem Rettungsfonds bzw. auf Umwegen über die EZB und polstert damit die unzureichenden eigenen Einnahmen auf. Diese Milliarden - 2011 waren es immerhin rund 37 - fallen dann weg, wenngleich auch die Schulden- und Zinsbedienung wegfällt - die aktuell bei rund 14 Mrd. Euro jährlich liegen. Damit würden dem in 2011 118 Mrd. Euro großen griechischen Staatshaushalt mehr als 20 Mrd. Euro an Finanzierung fehlen - und es gäbe vermutlich keine Möglichkeit und Hoffnung, diese fehlende Summe irgendwie über Kredite reinzuholen, weder 2012 noch in den folgenden Jahren.

Damit blieben Griechenland nur inländische Möglichkeiten: durch Erhöhung der Steuern, durch Bekämpfung des Steuerbetruges - der schätzungsweise zwischen 10 und 30 Mrd. Euro jährlich beträgt- durch radikales Zusammenkürzen staatlicher Aufgaben, die mit Ausgaben verbunden sind, also vor allem Löhne, Bautätigkeiten, Pensionen und sozialstaatlicher Maßnahmen. All das wird weder der damit mandatierten Regierung noch dem griechischen Volk schmecken. Nur wird das Land eben absolut keine andere Wahl haben und eine recht gnadenlose, aber auch heilsame Kur von dem süßen Gift der ständigen Neuverschuldung und Kreditfinanzierung des staatlichen Haushaltens erfahren.

Für die Eurozone wäre der griechische Euroausstieg freilich verkraftbar. Die meisten Forderungen wurden in den letzten drei Jahren ohnehin schon gekürzt und in den Bilanzen teilweise abgeschrieben bzw. mit anderen Sicherheiten für den Ausfall-Fall hinterlegt. Und selbst wenn die eine oder andere Bank am Rückzahlungsausfall Konkurs anmelden muss - von Systemrelevanz kann man im an Institutionen reichlich übersättigten Finanzmarkt ohnehin bei so gut wie keinem Marktteilnehmer sprechen. Also kann man auch ruhig die Marktkräfte wirken lassen, durch die unfähige Akteure eben ausscheiden müssen. Das erwarten wir bei allen anderen Marktteilnehmern ja auch. Für Panik gibt es in der ganzen Situation jedoch keinen Grund und immer noch handelt es sich nicht um eine Krise des Euro, sondern um eine Krise der Staatsfinanzierung durch Schuldenaufnahme.