Samstag, 27. Juni 2015

Wie Zahlen bewegen können

Ich bin gestern über den interaktiven Film "The Fallen of World War II" gestolpert, für den ich eine unbedingte Anschauempfehlung aussprechen möchte.

Die Datenanimation über die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ist beeindruckend und das gerade durch ihre Nichtdarstellung von individuellen Schicksalen. Stattdessen weren anschaulich die großen Zahlen an Menschenleben, die der letzte große Krieg gekostet hat, gezeigt und erklärt. Gleich der Beginn ist mitreißend, wenn die Animation darstellt, wie viele Menschenleben in den Jahren 1939 bis 1945 quasi gegen eine Mauer aus Tod gerannt sind und plötzlich endeten. Ganz besonders ist die ungeheure Dimension des Blutzolls, denn Rußland im Kampf gegen Nazideutschland erlitten hat und wo die Darstellung einen kleinen, einprägenden Eindruck davon vermittelt, warum dieser Krieg im kollektiven russischen Gedächtnis auch 70 Jahre nach seinem Ende immer noch so präsent ist. Neben Rußland hat nur Polen mehr gelitten, wo rund 16% der Bevölkerung den Nazis zum Opfer gefallen sind.

Auch wird anschaulich dargestellt, dass seit dem Ende des zweiten Weltkrieges kein Konflikt mehr seine Dimensionen auch nur annähernd erreicht hat. Die größten Konflikte in Zahlen getöteter Menschen waren die Kommunistische Revolution in China, der Korea- und der Vietnamkrieg und sie sind im Vergleich verschwindend. Nach 1990 sind Zahl und Umfang der in Kriegen getöteten Menschen nochmals drastisch geschrumpft und die Welt ist in eine Epoche eingetreten, die bisweilen als "The long peace" bezeichnet wird, eine Periode der Abwesenheit von militärischen Konflikten mit großen Zahlen von Opfern zwischen alle großen Nationen. Es hat mich am meisten beeindruckt, wie viele Menschen heute nicht(!) an Kriegsereignissen beteiligt sind (Zeit 16:40) Schließlich erhält man häufig den Eindruck vermittelt, das wir in unruhigen Zeiten leben. Stattdessen war das Leben für einen einzelnen Menschen auf diesem Planeten noch nie so sicher und es war noch nie so unwahrscheinlich, dass er durch einen Krieg ums Leben kommt.

Das Projekt zeigt, was man durch eine anschauliche und gleichzeitig emotionale Darstellung von großen Zahlen erreichen und wie einfach man komplexe Zusammenhänge vermitteln kann, wenn man diese Zahlen nur in den größeren Zusammenhang stellt. Anstatt einfach nur eine beliebige Zahl in den Raum zu stellen, muss man sie mit vergleichbaren Zahlen zusammenbringen und kann erst dann interpretieren und Gewichtung verleihen.

Absolut sehenswert: http://www.fallen.io.