Sonntag, 7. September 2014

Schottische Unabhängigkeit: ein wenig Schadenfreude darf sein.

Die letzten Tage vor dem schottischen Referendum über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich sind spannend. Inzwischen sind Befürworter und Gegner gleichauf und der Ausgang offen.

Warum Schadenfreude? Weil den Engländern gerade dasselbe geschieht, was sie seit Jahrzehnten mit der Europäischen Union machen: eine gut organisierte kleine Gruppe erpresst mit politischen Mitteln immer stärkere Zugeständnisse und Sonderrechte von der Mehrheit. Was auch die CSU in Bayern mit Deutschland macht, machen die Schotten nun mit den Engländern. Da kann einem schon ein Schmunzeln entkommen, vor allem weil die Briten das jetzige Referendum hätten vermeiden können, wenn sie nicht dieselben Fehler gemacht hätten, die sie stets der EU vorwerfen: Arroganz, Bequemlichkeit, Zentralismus, Ignoranz. Etwas Entgegenkommen vor ein paar Jahren und genügend Schotten wären zufrieden gewesen, so dass das Thema an sich gar nicht mit dieser Vehemenz aufgekommen wäre.

Ohne Schottland würde das Vereinigte Königreich wohl einigen schweren Krisen begegnen: der Verlust von Land, Bevölkerung, Wirtschaftskraft und Rohstoffen werden dabei noch das geringere Drama sein. Aber die Nordiren werden ebenfalls frischen Appetit auf Unabhängigkeit bekommen. Und der Trubel auf den Finanzmärkten beim Entflechten der Schotten vom Pfund würde kein Spaß, mit Schockwellen darüber hinaus. Aber auch Schottland selbst sollte sich keine Illusionen machen: das eigene Öl wird bald zur Neige gehen und die schottische Wirtschaft kann man nicht gerade als konkurrenzfähig bezeichnen. Ein ausgeglichener Haushalt dürfte eine schwere Angelegenheit werden und die eigene Währung mangels englischer Unterstützung nicht viel wert. 

Den Briten ginge ebenfalls viel Einfluss verloren. Das restliche UK dürfte sich nicht mehr auf Augenhöhe mit Frankreich und schon gar nicht Deutschland befinden und das wiederum ist für die Balance in Europa nicht hilfreich. Also doch kein Grund, sich allzu viel in Fäustchen zu lachen, denn schließlich ist das UK ein wichtiger Baustein in Europa. Es hat immer die Rolle des liberalen, den Staat und zu viel Zentralismus zurückhaltenden Verfechters übernommen, wo Frankreich und auch Deutschland stets mehr Staat und Zentralismus wollten - von den restlichen Südeuropäern gar nicht zu reden. Insofern ist ein schwaches UK auch nicht in unserem Sinne. Der Ausgang des Referendums wird interessant. Schließlich könnte in ein paar Jahren sogar das Ergebnis stehen, dass Irland und Schottland mit eigenen Währungen Mitglied der Europäischen Union sind, während England mit dem Pfund aus der EU ausgetreten ist.