Montag, 1. Juli 2013

Das Geschäft mit der Krise

Seit rund vier Jahren dröhnt "die Krise" durch die nationale und internationale Medienlandschaft, Talkshows und politischen Entscheidungsgremien: ob es dabei um "die" Finanzkrise, Schuldenkrise oder Eurokrise geht, ständig wabert das Thema in der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit umher. Die in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen häufig eher schlecht ausgebildeten Redaktionen in deutschen Tages- und Wochenzeitungen gehen mit dem ganzen Themenkomplex hauptsächlich unglücklich um. Hätte man den Schlagzeilen aus 2009 und 2010 Glauben geschenkt, wären wir europaweit in 2012 längst in Chaos, Elend und Anarchie versunken. Nur wenig davon ist passiert und sieht man einmal von den unglückseligen Ländern Spanien, Portugal und Griechenland ab, geht es den Menschen in der EU auch 2012 noch recht gut. Der Kontinent lebt nachwie vorund es geht uns heute besser als vor 10 Jahren und damals besser als vor 20 Jahren. Wieder einmal kann man feststellen: die mediale Hysterie dient eher der Auflage denn der Aufklärung.
Schlimmer als das mediale Lärmen sind jedoch die Marktschreier der Verschwörungs- und Untergangstheorien: seit dem Start der europäischen Gemeinschaftswährung haben sie stetig und vielfach beschworen, dass der Euro Deutschland Untergang wäre, das wir uns in Knechtschaft der Brüsseler Bürokratie, der EZB, der Südländer oder wahlweise der Illuminaten begeben würden, dass die deutsche Wirtschaft implodieren, die Inflation steigen und unser Reichtum verschwinden würde. Aber auch gar nichts davon ist passiert: der Euro hat Deutschlands Rolle als Exportnation gestärkt, weil wir in alle Euroländer ohne Umtauschrisiken exportieren können. Die reine Größe des Euroraumes deckt gut 50% unserer Exporte ab und wenn die nächsten Jahre eine Abnahme dieses Wertes sehen, dann nur deshalb, weil die Märkte China, Indien, Südamerika und ähnliche aufgrund ihres Wachstums für uns an Bedeutung gewinnen werden. Der Euro hat auch das Reisen in alle Euroländern vereinfacht und ermöglicht den reiselustigen Deutschen viel einfacheres Preisvergleichen als früher. Es kommt einem bisweilen schon merkwürdig vor, wenn man bspw. in Tschechien mit Kronen statt Euro bezahlen muss und man fragt sich dann unwillkürlich: "Was soll das denn?"
Dabei muss man immer wieder feststellen: ob eine Währung Euro, Mark, Gulden oder Taler heißt ist vollkommen unwichtig. Relevant ist immer nur, dass die Zentralbank eines Landes die klare Aussage trifft: "Diese Währung ist unser einziges relevantes Tauschmittel und es wird in einem Jahr in etwa denselben Wert haben wie heute." Dieses Versprechen erfüllt der Euro in größerem Maße als die Deutsche Mark. Seine durchschnittliche Inflation seit seiner Einführung 1999 liegt bis heute unterhalb der der Deutschen Mark. Das heißt: der Euro ist wertstabiler als die Deutsche Mark. Und das ist alles, was wirklich  zählt.
Daher der Apell: glaubt nicht den Lautsprechern mit ihrem lauten Krisengeschrei. Um es einfach auszudrücken: sie lügen. Ihr hauptsächliches Interesse ist nicht, bessere Wege der Finanzpolitik aufzuzeigen, sondern sie wollen mit der Krise lediglich Geld an ihren Büchern und Vortragsreisen verdienen (lustigerweise natürlich in Euro). Glaubt nicht der Bild-Zeitung, die den Untergang herbeischreibt, denn vor allem sie verdient an Untergangsprognosen prächtiger als an einer ausgewogenen Berichterstattung. Glaubt nicht den Thilo Sarrazins oder Hans-Werner Sinns der Debatte, die sich lediglich als "Widerständler gegen die Euro-Verschwörungen" dieser Welt promoten und damit die Auftragslage ihrer Forschungsinstitute oder ihre Teilnahme an Talkshows befeuern wollen. Glaubt nicht den Medien, die ständig und pausenlos die Krise hochputschen, um durch geschicktes Agendasetting lediglich an schlechten Nachrichten zu verdienen. Denn vor allem die Medien machen aus der Finanz- und Schuldenkrise der Staaten ein großes Spektakel. Und hier wird gerade die Euroskepsis der Deutschen fröhlich bedient und benutzt, um damit Schlagzeilen und somit Kasse zu machen.
Und glaubt vor allem nicht den Verschwörungsschwätzern, deren Theorien sich in den letzten 20 Jahren immer als falsch erwiesen haben. Die Welt ist die letzten 65 Millionen Jahre nicht untergegangen und sie wird es bis zum nächsten globalen Meteoreinschlag nicht tun. Weder die Bundesrepublik noch die Europäische Union sind auf Abwegen, solange ihre Bürger den Glauben an ein Weiterkommen nicht verlieren. Glaubt stattdessen an euch selbst und vertraut eurem Bauchgefühl. Fragt euch: wie geht es euch persönlich heute? Wie geht es euren Freunden? Wie geht es eurem Umfeld? Geht es euch heute schlechter als vor 10 Jahren und falls ja, lag das am Euro, der Politik, der Krise? Oder lag es an euch selbst und euren persönlichen falschen Entscheidungen? Oder geht es euch heute besser? Und falls ja, woran lag es dann?
Wichtig ist: Politik, Währung, Finanzkrise, Wirtschaftspolitik und so weiter haben einen viel geringeren Einfluss auf das persönliche, alltäglich Leben als häufig behauptet wird. Sie sind auf lange Sicht wichtig, weil sie Rahmenbedingungen unseres zivilisatorischen Miteinanders determinieren, aber nicht unser Leben.  Der Euro hat sich bislang gut bewährt, das zeigt sich seit 13 Jahren. Die Bundesrepublik bewährt sich seit mehr als 65 Jahren. Die Krisenschreier und  Apokalypsenpropheten haben sich nicht bewährt, das zeigt sich seit 10.000 Jahren und auch in den letzten 20 Jahren.